Eisenmann, Rudolf

Rudolf Eisenmann

Musiker

* 14. Dezember 1894 in Steinling
1. April 1954 in Regensburg

Komponist und Musikpädagoge
Nordgaupreisträger der Stadt Amberg Musik 1954


Biographie:

  • musikalische Ausbildung bei August Scharrer in Nürnberg
  • Besuch der Meisterklasse von Joseph Haas in München
  • seit 1927 Musikpädagoge und Lehrer in Regensburg
  • besonderes musikalisches Engagement bei den Nordgautagen seit Cham 1927
  • seit 1933 auch Vertonung von „Zeittexten“, daher 1945 Einstufung als „Mitläufer“ der NS-Zeit
  • 1953 Verleihung der Max-Reger-Medaille und 1954 des Nordgaupreises Musik
  • Komponist des „Oberpfalzliedes“ und von anderen Vokal- Chor- und Instrumentalwerken

Bedeutung:

Karl Schwämmlein:
Rudolf Eisenmann – zum 100. Geburtstag des Oberpfälzer Komponisten
in: Nordgaufestschrift Sulzbach-Rosenberg (1994)

Im “Notizenbuch für die protest. Schule Steinling“ steht auf Seite 18: „Ein Knäblein, ihm daselbst geboren, bestand gottlob im zarten Alter von 1 Jahr eine nicht ungefährliche Operation in Nürnberg.“ Der das schrieb, war Lehrer Christian Eisenmann, der ab 1. Oktober 1892 wegen der „sehr günstigen Wohnverhältnisse“ sich von Kirchenreinbach hierher versetzen ließ. Geboren 1865 in Mantel als Sohn eines Bindermeisters und Bierbrauers, brachte er in Weiden und Altdorf von 1880 bis 1885 seine Lehrerausbildung hinter sich und heiratete 1890 die Bürgermeisterstochter Frieda Pilhofer aus Eschenfelden. Eine Tochter Lina und ein Sohn Georg kamen 1891 und 1892 in Kirchenreinbach zur Welt. Das in Steinling am 17. Dezember 1894 „nachts um zwölfdreiviertel Uhr“ geborene „Knäblein“ erhielt die Namen Georg Rudolf und wechselte mit seinen Eltern und Geschwistern ab 1. Mai 1897 auf die Patronatsschulstelle Hol(e)nstein. Hier überfiel den „sehr gewissenhaften und sorgfältigen“ Lehrer Eisenmann ein Nierenleiden, das immer wieder Kuraufenthalte in Bad Brückenau notwendig machte. Dies war mit der Grund, dass er sich 1900 auf eine kleinere Schule nach Postbauer versetzen ließ. Hier besuchte Rudolf bis – zum Jahr 1908 die Volksschule und erhielt im Alter von zehn Jahren durch seinen Vater, der ein guter Musiker war, ersten Klavier- und Violinunterricht. Er sollte wie sein älterer Bruder Georg die Präparandenschule in Neustadt a. d. Aisch und das Lehrerseminar Altdorf besuchen. Im Alter von 14 Jahren kam er nach Neustadt, zwei Jahre später starb am 19. Juni 1910 mit 45 Jahren sein Vater an Herzversagen. Georg absolvierte im gleichen Jahr das Lehrerseminar. Obwohl die Witwe um den „Nachsitz“ auf die Schulstelle mit einer Verwesung durch Georg bat, musste sie Ende August die Stelle räumen. Das Rentamt wollte gar das Gehalt von 75 Mark für das „Sterbenachmonat“ nicht auszahlen und musste durch die Regierung erst dazu aufgefordert werden.

Am 10. Juli 1913 legte Rudolf Eisenmann die Reifeprüfung am Lehrerseminar Altdorf ab. Sein Schlußzeugnis weist in den allgemeinbildenden Fächern und in Erziehungs- und Unterrichtslehre die Noten 11 = gut auf, in Musik I = sehr gut. Bezeichnend aber ist die Bemerkung: „Er erfreut sich einer guten und gleichmäßigen, für die Musik fast sehr guten Begabung und hat es auch in diesem Fach zu sehr bemerkenswerten Erfolgen gebracht. Es lag nur die Gefahr nahe und liegt auch anscheinend fernerhin nahe, daß er der Musik in dem Grade zuneigt, dass dagegen die andern Disziplinen zurückstehen müssen. Deshalb ergeht an ihn die ernste Mahnung, solange und da er dem Lehrberuf dient, sein Interesse diesem zuzuwenden, damit er hier seinen Mann stellt und sein berufliches Wirken nicht leidet. In seinem Verhalten bekundete er Bescheidenheit, Freundlichkeit, Sinn für Autorität und erwies sich als wohlerzogen.“ Seine Lehrer in Musik waren Peter Volkmann und Seminaroberlehrer Karl Wolfrum, die ihn in Klavier, Orgel, Violine, Gesang und Harmonielehre unterrichteten.

Als Praxisort erreichte er Altdorf, da seine Mutter dorthin umgezogen war. Eine Bitte am 26. September 1913 um Beurlaubung zum Besuch des Konservatoriums in München wurde von der Schulbehörde abgele hnt. 1914/15 war er als Aushilfslehrer in Poppberg tätig, im April erfolgte seine Einberufung zum Kriegsdienst bei der Infanterie in Frankreich und Rußland. Einmal verwundet, wurde er im Januar 1919 entlassen, um bis September als Hilfsleh rer in Wildenreuth b. Weiden Dienst zu tun. Im Juni legte er in Regensburg in einer außerordentlichen Anstellungsprüfung den „Staatskonkurs“ ab, wieder mit der Gesamtnote 11 = gut.

Am 1. Oktober wurde er an die protestantische Schule Sulzbürg für die Klassen 1 – 3 versetzt ; 83 Kinder in der Werktags- und 43 Schüler(innen) in der Feiertagsschule hatte er zu versorgen. Dazu leitete er, wie schon in Altdorf, Poppberg und Wildenreuth Männer-, Gemischte- bzw. Posaunenchöre. Er wollte sich aber unbedingt in Musik weiterbilden. So bewarb er sich schon am 4. November 1919 um eine Stelle in München, versuchte 1920 einen Stellentausch mit einem Nürnberger Kollegen, um dort an der Handelshochschule das Studium von Nationalökonomie und Physik, nebenher aber Kontrapunktstudien zu betreiben, auch um „Chor- und Orchesterkortzerte“ besuchen zu können. Alle Vorstöße in dieser Richtung scheiterten, so daß er 1920/21 von Sulzbürg aus privat bei dem Kapellmeister und Komponisten August Scharrer in Nürnberg Kontrapunkt und freie Komposition, sowie Partiturlesen, Dirigieren und Instrumentieren studierte. Dabei waren bereits 1915 eine dreisätzige Klaviersonate, 1916 zwölf Konzertwalzer für Klavier zu vier Händen und 19201 22 eine Reihe von Sololiedern für Singstimme und Klavier entstanden.

Eines davon, „Herz, mein Herz …“, wurde von der Tochter eines Färbermeisters, Wally Allio, 1921 in Berching uraufgeführt. Sie wurde am 25. September 1922 seine Frau. Da ihre Familie streng römisch-katholisch war, fanden sowohl eine evangelische als auch eine katholische kirchliche Trauung statt, einmalig in damaliger Zeit. Das gab aber Probleme wegen des zu haltenden evangelischen Religionsunterrichts, so dass Rudolf Eisenmann eine Steile an einer Simultanschule in München oder Nürnberg anstrebte, sich schließlich nach Regensburg meldete und am 1. September 1927 dort den Dienst antrat. Trotz großer finanzieller Schwierigkeiten (Krankheit seiner Frau, Aufnahme von Verwandten) begann hier für Schule, Evangelische Kirche, Singschule und Konzertleben eine fruchtbare Zeit. Seinen Organistendienst an der Neupfarrkirche behielt er, trotz mancher Anfeindungen bis zur Einberufung zum Wehrdienst im 2. Weltkrieg. Von 1929 bis 1932 studierte er zusätzlich zu seiner Arbeit in der Schule bei Josef Haas in München Kontrapunkt, freie Komposition und Formenlehre. Er war eben von der Musik in ihren vielfältigen Formen besessen. So vertonte er nach 1933 für die Singschule auch „Zeittexte“, was ihm trotz der Einstufung als „Mitläufer“ eine Dienstenthebung von 1945 bis August 1949 einbrachte, kümmerlich überbrückt mit Notenschreiben für das Stadttheater. Trotz wirtschaftlicher Not komponierte er unermüdlich weiter. Um der Musik willen versagte er sich niemanden, was nicht nur die vier letzten Jahre seinens Lebens eindringlich beweisen. Am 1. April 1954 ereilte ihn in seiner Schule durch einen Schlaganfall der Tod. Dr. Heinz Schauwecker schrieb damals in einem Nachruf: “ .. . er der treue, unermüdliche Schöpfer und Schaffer, der sich nie vergebens bitten ließ und der ein Freund und Mitarbeiter der Nordgautage war, schon von Cham zu allererstem Anfang an … Rudolf Eisenmann wird uns unvergessen bleiben seine Weise wird leben, solange auf dem Nordgau Lied und Ton klingen!“

1947 zählte Rudolf Eisenmann über 300 Werke (= über 500 Einzelkompositionen) für Klavier, Orgel, Kammermusik, Orchester, Sologesang, Kinder-, Frauen-, Männerund gemischten Chor, ohne und mit Begleitung in Form von Liedsätzen und Kantaten oder Bühnenmusiken, die von Rundfunksendern übertragen, auf Sängerfesten, in Konzerten von Chören gesungen wurden, z. B. vom Kölner Männergesangverein auf Konzertreisen in England und Holland oder 1937 auf der Pariser Weltausstellung. Nach dem Krieg schuf er u.a. Choralkantaten (1949), die Taxiskantate (1950), Weihnacht (1950) und als Schwanengesang .Aqnes Bernauerin“ (1954). An Ehrungen erlebte er nur 1953 die Uberreichung der Max-Reger-Medaille. Zum 10. Nordgautag 1954 in Neumarkt sollte er die Nordgauehrenplakette erhalten „für seine schöpferischen Leistungen auf dem Gebiet der Musik.“ Seine Gattin nahm sie für ihn in Empfang. 1956 wurde in Regensburg eine Straße nach ihm benannt. Dr. Franz A. Stein schrieb aus Anlaß eines Gedächtniskonzertes 1964: „. – Dieser Musiker, Lehrer im Hauptberuf, war Idealist in jeder Hinsicht. …“ und Prof. Haas urteilte 32 Jahre früher: „Ich bin überrascht über die Vielseitigkeit der Spezialbegabung dieses Komponisten. Neben auserlesener Problematik von unerhörter Schwierigkeit, hart an der Grenze des Experimentellen findet man Chorsätze von volksliedhafter Frische und Natürlichkeit, Dokumente echtesten und erfreulichsten Musikantentums.“ Pfarrer Lic. von Walter faßte in seiner Grabrede vor 40 Jahren sein Leben zusammen mit den Worten: „Wer Liebe erntet, hat sie auch gesät, das beweist das außergewöhnliche Leichenbegräbnis.“


Literatur/Links:

  • Schwämmlein, Karl: Rudolf Eisenmann. Zum 100. Geburtstag des Oberpfälzer Komponisten, in: Festschrift 30. Bayerischer Nordgautag Sulzbach-Rosenberg, Regensburg 1994, S. 148-150
    mit Bild [► pdf-download]
  • Art. Eisenmann, Rudolf, in: Große Bayerische Biographische Enzyklopädie, hrsg. von Hans-Michael Körner, München 2005

Autor: OKB / Karl Schwämmlein